Reichvald [Reichwald, Reichwaldt, Reichwalt, Rauchwald], Johan

Reichvald [Reichwald, Reichwaldt, Reichwalt, Rauchwald], Johan; Obrist [ - ] Reichvald war schwedischer Obrist in Römhild,[1] dann in Zittau,[2] Schweinitz und Erfurt.[3]

Anfang des Jahres 1643 hatte Reichvald eine Schlappe gegen die Kaiserlichen hinnehmen müssen, wie der Historiograph und Habsburg-Anhänger Wassenberg in seinem 1647 erneut aufgelegten „Florus“ berichtet: „Hingegen hat der Keyserliche Herr General-Wachtmeister / Graf Ladislaus von Wallstein [Waldstein; BW] das veste Schloß Cost[4] den Herren Grafen von Tscherin [Černín; BW] gehörig / (dessen sich vor wenig Tagen der Schwedische Befehlshaber in Sittaw / Obriste Reichwald bemächtiget / wodurch dem Jungen-Bunzlawer[5] kräise viel schaden zugefüget werden können) mit etlich außgefärtigtem Volcke durch vndergraben wider erobert: worinnen er 60. Schwedische Tragoner gefangen / vnnd 3000. strich Getreides / 300. kuffen Salz / wie auch Wein vnd andere Eßwahren gefunden“.[6]

Über die Gefangennahme des kaiserlichen Obristen Unger am 1.4.1643, der seinen terminierten Urlaub auf Ehrenwort genutzt hatte, um seinen Kleinkrieg gegen die Schweden unter Torstensson fortzusetzen, anstatt in die Gefangenschaft zurückzukehren, berichtet Wassenberg ebenfalls: „Viel unglückhaffter aber ist es dem Keyserl. Obristen Vngarn ergangen: Derselbe nach dem er etliche Monat zuvor von den Schwedischen gefangen / vnnd auff versicherung Herren General Mortaigni [Mortaigne de Potelles; BW] vnnd Obristen Plettenbergs / gegen einem kräfftigen Revers von deß Schwedischen Feld-Marschallen Excellenz so weit beurlaubt worden / daß er seine vorgewandte Geschäffte in Polen verrichten / vnd innerhalb 14. tagen sich wider einstellen solte; hat selbiger solches alsobald in vergessen gestelt / sich allein nicht widerumb sistirt / sondern also fort zu seiner Partie begeben / vnd den Schwedischen alles vermögens abbruch gethan; deßwegen er auch / nach dem S. Eccellentz mit der Armee in Laußnist[7] gesetzt / den Schwedischen aufgepast / vnnd zu vnterschiedenen malen über hundert bey den Köpffen bekommen. Solches als es mehrbesagter Sein. Ecellentz verkundschafftet / haben sie / vmb solchen zusuchen / etliche Esquadronen außgeschicket / so ihme Vngarn fleissig nachgangen / biß ihn letzlich an 22. diß vnd 1. April st. nov. der Schwedischer Obrister Reichwald 1. Meil Weg von Sittaw[8] angetroffen / solchen angegriffen / vnd dermassen übel empfangen / daß etliche todt geblieben / er aber Vngar selbsten / mit in 400. außgerüsteten Pferden / bekommen vnd gefangen worden. Welchen dann deß Herrn Torstens. Excellenz / weil er seinem hinterlassenen verschreiben nicht nachkommen / gleichwol aber wider in würckliche dienst getretten / zu Sittaw dem General Gewaltiger überlieffern / vnd an Hände vnd Füssen schliessen lassen / vngeachtet er häfftig dawider gebetten“.[9] Das „Theatrum Europaeum“ berichtet darüber: „Es ist aber dem Käyserlichen Obristen Ungarn [Unger; BW] sehr hart ergangen: Derselbe / nachdem er etliche Monat zuvor von den Schwedischen gefangen / vnd aber / auff Caution deß General Mörtaigne / vnd Obristen Plettenberg / gegen ein Reverß / bey Verlust seiner Ehre / von dem Schwedischen Herrn Feldmarschalln so weit beurlaubt worden / daß er seine fürgewandte Geschäffte in Polen verrichten / vnd innerhalb 14. tagen sich wieder einstellen sollte : Aber solcher hat dem Reverß entgegen / sich nicht allein nicht wiederumb sistirt, sondern also fort sich zu denen Käyserischen wieder begeben / vnd den Schwedischen / nach bestem Vermögen Abbruch gethan. Deßwegen er dann auch / nach dem Herr Feldmarschall mit der Armee sich in der Laußnitz gesetzt / den Schwedischen vffgepasst / vnd nach vnd über hundert ertapt. Dieses als es mehrbesagter Herr Feldmarschall verkundschafft / hat er 7 vmb solchen zu suchen / etliche Esquadronen außcommandirt / welche gedachtem Obristen Vngarn so lang vnd fleissig nachgangen / biß ihn letztlich am 22. hujus, vnd 1. April. N. C. der Obriste Reichwald / ein Meil von der Stadt Sittaw angetroffen / solchen attaquirt / vnd dermassen schargirt / daß etliche tode blieben / er aber Vngar mit in 30. mundirten Pferden gefangen worden. Von welchem Scharmützel ist diese die Specification.

Nemblich Obristen Vngar / 1. Obristen Wachtmeister / von Herrn Feldmarschalln / Graf Piccolomini / Leibguardy / noch 1. Obristen Wachtmeister vom Jungen Heistrischen Regiment / 4. Leutenant / der eine von Hanaw [Augustin v. Hanau; BW]/ der andere von Bruay / der drite von Capaun [Kaoun; BW] / der vierte von Dorbe. 3. Corporals als von vnterschiedlichen Regimentern 26. biß 29. gefangene Reutter / 1. Obristen Lieutenant / ettliche Rittmeister / vnd andere Officirer / nebenst vielen / vnd mehrtheils gemeinen Reuttern / sind verbrandt / vnd todt blieben. Weiln sie in einem Hof vmbringet / der selbe aber angesteckt worden / daher ihrer wenig entkommen können. Weil nun obgedachter Obrist Vngar / gegen seinen hinterlassenen Revers / stracks Fuß sich in würckliche Dienste eingelassen / hat Herr Feldmarschall in Sittaw dem GeneralGewaltiger ihn überlieffern / vnd an Händ vnd Füsse schliessen lassen : Dargegen ob er zwar vielfältig gebetten / hat es dißmahls nicht helffen mögen.

Bey so vorgelauffener Particular-Action / sind von denen Schwedischen ihrer Gefangenschaft gleichfalls ledig worden Rittmeister Billingshausen / Churlendischer Leutenant / Wolffgang Greiff / Leutenant Raab von Schulman / 5. Reutter von Lieffländern / 2. von Churländern / 1. von Carl Wrangel / vom General Major Wittenberg / 1. Corporal vom Obristen Witteberg / Item 10. Reutter von dem selben : welche deß Tags zuvor von deß Obristen Vngars Parthey waren gefangen / andere aber niedergemacht worden“.[10]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet weiter: “in gegenwärtigem Monat hat sich in Schweinitz[11] ein vnbedachtsame gefährliche Conspiration entdeckt / welches folgender massen zugangen seyn soll. Demnach der Rath daselbst / benebenst andern intercessirten[12] gewissen Personen an den Schwedischen Commandanten [Reichvald; BW] daselbst / Bittlich gelangen lassen / er wollte ihnen einen Botten vergönnen / vmb selbigen mit Schreiben an Herren General Torstensohn / abzufertigen / in welchem Schreiben sie / vmb Erleichterung der Einquartierung anzuhalten / Vorhabens wären. Der Commendant hat ihn solches verwilliget: Nichts destominder als er Verdacht geschöpfft / ist dieser Bott am Thor angehalten / vnnd mit sampt denen Schreiben / für ihn zu rück bracht worden.

Bey Besichtigung der Brieffen / hat zwar die Vberschrifft derselben an Herrn General Torstenson gehalten / inwendig aber hat man Brieffe funden / an den Käyserlichen General Götzen [Johann v. Götz; BW] gehörig / worinnen nachrichtlich enthalten / vnnd der Orth benahmt / dahin er sich mit den Käyserlichen Völckern zu benannter Zeit finden sollte / da sie ihm dann behülfflich seyn wollten / damit er vnversehens in die Stadt kommen köndte. Zu welchem Ende wäre ein Keller außgeführet / dardurch man vnter der Erden in die Statt gelangen möchte.

Nach Ablesung der Schreiben hat der Schwedische Commendant den Rath / vnd Jesuiter in Arrest nehmen / vnd wie man vernommen / allbereits sieben Personen hinrichten lassen. Bey welcher Execution der Obriste Reichwald Persönlich gewesen / vnd noch über 20. Personen in Hafften gesessen / welche sämptlich ihr Leben verwürckt hätten”.[13]

Am 29.5.1643 schrieb Gallas aus Königgrätz an den sächsischen Kurfürsten, ein Teil des Regiments Jung-Schleinitz [Joachim v. Schleinitz] habe in einem Gefecht die Truppen Reichvalds aus Zittau geschlagen und Gefangene gemacht; diese seien frei gelassen worden, weil der Gegner Kaiserliche gefangen halte und, wie Gallas hoffte, diese Höflichkeit erwidern werde.[14]

Am 15.7.1643 berichtete Johann Georg I. dem kaiserlichen Kommandierenden Gallas: Königsmarcks Abteilungen bei Magdeburg[15] und Halberstadt[16] hielten sich noch; man höre, dass Reichvald mit seiner Truppe gegen Zittau marschiere: Gallas möge sich beim Kaiser für die Schaffung eines Korps einsetzen, das Königsmarcks wachsender Macht in Niedersachsen Einhalt gebiete.[17] Am 6.8.1643 wurde eine Streifpartie Reichvalds von den Kaiserlichen in Hainewalde überfallen und zum Teil gefangen.

Mitte August schrieb Königsmarck selbst aus Osterwieck[18] an den Obristen Rudolph von Birkenfeld: Der Gegner ziehe mit mehreren Regimentern von den Sechsstädten gegen Luckau.[19] Bei Hoyerswerda[20] seien starke kaiserliche Spähtrupps gesehen worden. Birkenfeld möge so lange bei Torgau[21] bleiben, bis Nachrichten von Reichvald einträfen, der einige Gefangene machen wollte, um die Absichten des Gegners zu erkunden.[22] Am 14.8.1643 schrieb Johann von Götz an Gallas und berichtete über die Verfolgung des Gegners bis Oppeln.[23] Zuletzt habe der Gegner eigenhändig die Festung zerstört und in Brand gesteckt. Er selbst sei froh darüber, denn jener Ort, in Sümpfen gelegen, wäre für die kaiserliche Armee und den Transport von Munition und Proviant kaum zugänglich gewesen. Nachrichten zufolge rücke Reichvald mit der Truppe heran, um zur schwedischen Hauptarmee zu stoßen. Er selbst wolle sich bemühen, Reichsvalds Pläne zu durchkreuzen und werde an Dewaggi den Befehl erteilen, den Gegner entlang der Oder zu verfolgen. Er hoffe mit Wolframsdorffs Truppen Schlesien vor feindlichen Kontributionen bewahren und die Ernte sichern zu können.[24]

Am 22.8.1643 wurde Gallas wieder von Johann Georg I. informiert: Bei Torgau seien zwei schwedische Reiterregimenter, Birkenfeld und Beer, angerückt, die mit Reichvald aus Zittau zur Hauptarmee ziehen sollen. Königsmarck liege noch vor Osterwieck,[25] bei Magdeburg[26] habe er die gesamte Ernte vernichtet und blockiere die ganze Festung ununterbrochen. Mit der Festung Dömitz[27] sehe es sehr schlecht aus, ihre Besatzung stehe ohne Unterlass im Feuer. Es sei absolut nötig, dass Krockow seine Aktion zum Entsatz der Festung in Angriff nehme.[28]

Am 31.11. [a. St.] 1643 musste Reichvald Zittau aufgeben: „Gegenwertigen Monat über haben die Keyserischen der Belägerung vor Sittaw in Ober-Laußniz eiferig abgewartet / da hergegen der Schwedische Befehlshaber darin / Obrister Reichwald / zur beschützung derselben / allerhand zurüstung machen lassen; gestalt er dann alle Bürger daselbst auff den Marck zusammen gefordert / vnd sie / ob sie seinen Soldaten gleich zur wahr [Wehr; BW] greiffen wolten / befragt / die sich aber wegen nicht erlassener Churfürstlichen Pflicht entschuldiget: worauff er solche entwaffnet nach Hauß geschafft / vnd seinen Soldaten / da sich 3. in 4. Bürger zusammen begeben würden / vnter sie zu schiessen; auch daß sie / wegen eingeworffenen Fewers das ihrige zu erhalten / Wasser tragen solten / anbefohlen.

Hierauff / als den Keyserischen noch mehr Stücke vnd Munition von Dresden[29] zukommen / haben sie 2 Haupt-Brechen gemacht / vnd sich deren zugleich versichert / also das sie leichtlich gar mit Sturm in die Statt gelangen können. Da dann die Belägerten angefangen vom Accord zu handeln / vnd deßwegen 2. Obr. Leutenanten herauß / wie auch von dem Keyserli-chen hinein geschickt / vnd der Vergleich von wegen sichern Abzugs geschlossen worden“.[30] Am 31.12.1643 übergaben Reichvald und Brandeshagen Zittau an die Kaiserlichen.[31]

Am 2.1.1644 schrieb Formarini an Piccolomini: Gallas habe Zittau belagert und nach dem Fall der Stadt die Schweden ohne Fahnen und Waffen abziehen lassen; alle übrigen habe er in seine Regimenter aufgenommen.[32] Enckevort hatte W. E. von Lob-kowitz an diesem Tag einen Bericht über die Belagerung und den Akkord der Stadt zugesandt.[33]

Im Mai 1644 berichtete Steenbock Königmarck über die Niederlage Reichvalds bei Verden[34] gegen kaiserliche Truppen[35] und sah in einem weiteren Schreiben aus diesem Monat an Torstensson damit Gefahren für Verden heraufziehen.[36]

Tattenbach schrieb am 22.8.1644 an Gallas, die in Franken stehenden Regimenter Montecuccolis sollten so schnell wie möglich zu weiteren kaiserlichen Abteilungen und dem sächsischen Heer stoßen. Königsmarck stehe an der Saale und bei Bernburg[37] und habe Reichvald zu Rákóczi entsandt, der Obrist aber sei bei Torgau von den Sachsen geschlagen worden.[38]

“Gegen Mitte Februar 1645 erhielt die Kanzlei die Meldung, daß die schwedische Generalität dem Reichwandtschen Regiment zu Pferd das Fürstentum [Eisenach] zur Verpflegung und dessen Residenzstadt zur Unterkunft angewiesen habe und einige Tage darauf rückten die Truppen auch schon in Eisenach[39] ein. Als erste Androhung [Anordnung ?], welche der Obrist Reichwaldt traf, erging der Befehl, das Predigertor zu schließen und zu verschütten. So blieb es auch, und erst Anfang April, nachdem das Regiment das Fürstentum verlassen hatte – Römhild war im April durch Reinvald besetzt worden, der von dort besser nach Franken einfallen konnte[40] - , wurde das Tor wieder ausgeräumt und geöffnet. Mit dem Troß des Regiments kamen auch drei Leichen an, die des Weibes und zweier Söhne des Regimentsquartiermeisters Johann Bartlock; seine Angehörigen waren nebst einer Magd am 29. Januar in der Nähe von Nordhausen[41] ertrunken. Mutter und Kinder wurden hier unter großer Feierlichkeit in der Nikolaikirche bestattet. Die Leichenpredigt hielt der Pastor und Reichwaldtsche Feldprediger Urban Fleischer. In der Stadt verursachte die Einlagerung viel Unruhe und Aufregung, und das Leichenbegräbnis Herzog Albrechts, welches für den 7. März anberaumt war, mußte aufgeschoben werden. Die Beisetzung fand dann unter Gedränge am 14. März in der Fürstengruft der Pfarrkirche St. Georg statt.

Mit der Verproviantierung der Reichwaldtschen Truppen war der Kämmerer Jeremias Bruchlos beauftragt und die Stände, Städte und Ämter angewiesen worden, soweit sie Commis und Fourage in Natura abzuliefern gedächten, es an Bruchlos gelangen zu lassen, andernfalls den hierfür fälligen Betrag mit der wegen Erfurts ausgeschriebenen und noch rückständigen Steuer zusammen an die Landschaftskasse zu entrichten. Von den Nächstangesessenen sollte das bis zum 15. Februar geschehen, den Weiterwohnenden wurde einige Tage länger Frist gewährt. Außer der Steuer von dreihundert Florin entfielen dabei auf die Stadt Eisenach sechshundert Metzen Hafer, je sechshundert Pfund Fleisch und Brot, sechshundert Kannen Bier, fünftausendvierhundert Pfund Heu und sechshundert Schütten Stroh. Dem Obristen Reichwaldt ‘war ein ziemlich Stück Geld verwilligt worden’, um ihn zum Verlassen des Fürstentums zu bewegen, doch wurde nur erreicht, daß er von Eisenach nach Creuzburg[42] hinüberzog. Am 19. März lagerten dort immer noch Reichwaldtsche Reiter, Fußvolk und Bagage, es war sogar noch von Erfurt ein Major mit einer Anzahl ‘Musketiere’ dazugestoßen, so daß es nicht den Anschein hatte, als ob der Abzug in Kürze stattfinden würde. Sollte vermieden werden, daß sich die Soldaten eigenmächtig versorgten, und das wäre unausbleiblich unter großem Schaden für die Umgegend geschehen, so blieb der Regierung nur übrig, ihrerseits für Lebensmittel zu sorgen. Es wurde deshalb eine nochmalige Proviantlieferung in gleicher Höhe wie Anfang Februar ausgeschrieben. Als nach acht Tagen die Soldaten immer noch anwesend waren, mußte eine weitere Zuweisung erfolgen. Das geschah mit der Bestimmung, die angesetzte Menge alle vier Tage bis zum gänzlichen Abzug des Regiments zu wiederholen.

Ebenso wie die Naturalisierungen [?] befanden sich auch die Geldzahlungen im Rückstand. Es waren zur Deckung der durch die Reichwaldtsche Einlagerung entstandenen Unkosten drei ganze Steuertermine ausgeschrieben worden. Ging schon die erste Anlage im Februar 1645 sehr spärlich ein, so erfolgten auf die Bekanntgabe der zweiten Anfang März überhaupt keine Zahlungen, und erst die der kurz darauf angesetzten dritten Anlage beigefügte Drohung, die Säumigen dem Obristen zur Exekution überweisen zu wollen, führte der Kasse einige Mittel zu. Sie deckten den vorhandenen Bedarf aber durchaus nicht, und es wurde den Restanten nochmals eine sehr energische und scharfe Mahnung zuteil. Herzog Wilhelm war die Ursache dieser säumigen Zahlweise genau bekannt, und er hatte in seinen Erlassen wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß er viel lieber wünsche, seinen Untertanen nach so vielen ausgestandenen Kriegsbeschwerungen eine Ruhe- und Atempause zur Erholung gönnen zu können, als immer und immer wieder neue Lasten aufbürden zu müssen. Leider sei er dazu gezwungen, wenn er das Land der Verwüstung durch die Kriegsvölker nicht preisgeben wolle”.[43]

Schon am 15.7.1645 sandte der überaus ängstliche Johann Georg I. von Sachsen ein dringliches Schreiben an Gallas: „Demnach aber nicht allein der schwedische Obrister Reichwaldt mit bei sich habenden Regimentern in 1 800 starck annoch bei Erfurth stehet, sondern auch des Königsmarcks eilfertiger Anzug gegen Saalfelt[44] aus intercipirten Schreiben und sonsten vor gewiss verlautet, so ist anders nichts zu besorgen, als dass in Ermanglung aller Gegenwehr, dieser zusammenziehende Feind unsere Lande vollents in Grund verterben, ja gar sich vor diese unsere Residenz setzen, die ernte verhindern, auch wol in Böhmen einbrechen und sonsten seines Willens und Gefallens gebahren würde“.[45]

Im Oktober 1645 wurde Puchheim Feldzeugmeister und erhielt im Januar 1646 das Oberkommando in Österreich und Mähren.

Aus Olmütz[46] soll Reichvald im Februar 1646 nach einer Mitteilung de Souches’ eine Bibliothek abtransportiert haben.[47] Im März 1646 stand der kaiserliche Obrist Fitsch in Glatz[48] und unterrichtete Melchior von Hatzfeldt von der Belagerung von Frankenstein[49] und vom Rückzug Reichvalds nach Jägerndorf.[50] Im „Theatrum Europaeum“ heißt es: „Kurtz fürhero hatte der Graffschafft Glatz[51] bestellter Rittmeister / Nahmens Gärtner / mit seinen vnterhabenden Reuttern / vnnd Tragonern / eine Schwedische Parthey / von 164. Mann / so der Obriste Reichwald in das Schloß Franckenstein / oder dessen Gegend / legen / vnnd hingegen die darinn ligende Reutter / herauß ziehen wollen / rencontrirt. Deren er 31. niedergemacht / vnnd 55. nach Glatz gefangen überbracht. Da auff seiner Seiten zween todt blieben / er / Gärtner / sampt noch acht Reuttern / beschädiget worden“.[52]

Im März 1646 schrieb Rudolf von Colloredo an Hatzfeldt und berichtete ihm von dem Marsch Reichvalds sowie von der Eroberung von Schloss und Stadt Teschen.[53] In diesem März meldete Don Lodovico de Gonzaga Hatzfeldt, dass Reichvald in der Grafschaft Glatz sei,[54] während er im April bei Torgau stand.[55]

Das „Theatrum Europaeum“ berichtet: „In Schlesien hatten die Schwedischen das Schloß Blimblaw[56] wieder verlassen / vnd sich / vnterm Obristen Reichwald / in 3000. starck / zwischen Lischwitz[57] / vnnd Jägerndorff[58] / gesetzt / da sie die Vorstatt zu Glatz überfallen / vnnd geplündert. Der Commendant in Glatz / thäte mit herausschiessen / vnnd sonsten / grosse Mühe / biß er die Schweden hinwiederumb auß besagter Vorstatt / herauß brachte. Die Käyserische zogen sich auch zu Münsterberg[59] / bey fünff vnnd zwantzighundert zusammen. Weil aber der berühmte Obr. Passue zum Recognoscirn / für dem Schloß Brix[60] / durch ein Stück erschossen ward: Beneben den Belägerten ein starcker Succurß zukame: Als wurde dessen Orts Belägerung / von Käyserischen. Inmittelst wendete sich der Schwedische Obrist Reichwald / wieder nach Böhmen / vnnd gienge Partheyweise gegen Skal.[61]

Der Schwedische Obriste Reichwalt / so auff 3000 Mann starck / zoge sich auß Schlesien wider in Böhmen. Nach dem er nun zur Gabel[62] gelegen / vnd fast den gantzen Buntzeler Cräiß[63] in Contribution gesetzt / gieng er fürters / mit etlich hundert Pferden gegen Skal / vnd ließe selbiges Schloß / worinn 100. Mann zur Besatzung lagen / auffordern. Mit Betrohung / daß er / auff den Abschlagsfall / alles der Gegend in Brandt setzen wolte: Allein / er kondte an dem Ort nichts gehaben“.[64]

B. I. von Martinitz teilte am 28.4. aus Prag Piccolomini mit: Montecuccoli sei eingetroffen, um die Bewegungen der Schweden zu verfolgen. Wittenberg ziehe gegen Torgau, um dort die Elbe zu überschreiten und Reichvald sei auf dem Rückmarsch aus Zittau, um zu ihm zu stoßen, worauf beide Heere Schlesien angreifen wollen.[65]

In einer zeitgenössischen Quelle heißt es für März bis Mai 1646: „Zu Anfang des Mertzen [1646; BW] wurde Oesterreichische Städtlein Engerdorf,[66] wo das Buchheimische [Puchheim; BW] Haupt-Quartier war, nebst der Kirche und vielem Getreyde, in die Asche geleget: hingegen hatte das grosse Gewässer zu Wien an der Schlag-Brücke drey, und an der langen Brücke 6. Joch abgerissen. Der Graf von Buchheim verstärckte sich in Mähren, damit er Crems[67] und Corneuburg,[68] wo die Schwedische Besatzungen den Donau-Paß sperrten, belagern und zugleich den Obersten Reichwald mit seinen 20. Compagnien im Zaum halten möchte.

Zu Anfang des Aprils beschoß der Kayserliche General Buchheim die Stadt Crems von 3. Batterien, nachdem er das Block-haus zu Stein[69] erobert und verderbet hatte. Die Belagerten wehrten sich tapfer, und fielen fleissig aus, weil sie einem Entsatz unter dem Obersten Reichwald entgegen sahen; doch konten sie nicht hindern, daß die Belagerer mit ihren Approschen bis in den Graben gelangten.

Die Kayserlichen setzten die Belagerung von Crembs unter dem tapfern General, Grafen von Buchheim, so eiferig fort, daß um den Anfang des May alles zum Brescheschiessen bereitet und eine Schantze bey dem Wiener-Thor erobert war. Der Commandant ließ viele Häuser in der Stadt abtragen und mit Sand beschütten, gedachte sich aber im Nothfall auf einen Thurn, der mit einer Schanze umgeben war, zu ziehen: Hingegen brachten die Kayserlichen 10. ganze Cartaunen und 10. Feuer-Mörser bey Nacht auf den Galgenberg, von da man die gantze Stadt übersehen konnte“. Kurtz vorher kam ein Bote, der die Briefe des Commandanten in einem Laib-Brodt nach Corneuburg überbracht, mit Antwort-Schreiben zurück, die in einem hohlen Stock verwahret waren. Weil ihm aber eine Kayserliche Parthey Reuter auffstieß, und er sich unwillig erzeigte, ihnen den Weg zu weisen, schlugen selbige seinen eigenen Stock auf ihm entzwey, worauf die Briefe heraus fielen, und der Corneuburger Vorhaben, eine Diversion zu machen, entdecket wurde. Dieses hatte die Würckung, daß die Schwedischen aus Corneuburg, als sie die Wiener-Brücken-Schanze mit 200. Mann zu Fuß und 50 Dragonern bey Nacht anfielen, mit Verlust wieder abziehen und ihren Oberst-Lieutenant im Stich lassen musten. Da nun die Kayserlichen am 4. May gedachten Thurm gefället und eine Bresche geschossen hatten, bequemte sich der Commandant noch selbigen Abend zum Accord, wodurch er mit 150. Mann freyen Abzug nach Groß-Glogau[70] erhielt, die übrigen Soldaten aber, so ehemahls den Kayserlichen gedienet, untergestossen wurden“.[71]

Erzherzog Leopold Wilhelm wandte sich am 12.7. aus seinem Hauptquartier Homberg[72] an Colloredo, er habe gewisse Avisos von ihm erhalten und seine Vorkehrungen gegen den schwedischen Obristen Reichvald mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Er erwarte weitere Nachrichten.[73]

[1] Römhild [Kr. Hildburghausen]; HHSD IX, S. 353ff.

[2] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.

[3] Erfurt; HHSD IX, S. 100ff.

[4] Burg Kost [Mladĕjov; Bez. Jičin]; HHSBöhm, S. 291f.

[5] Jung-Bunzlau [Mladá Boleslav]; HHSBöhm, S. 237ff.

[6] WASSENBERG, Florus, S. 509f.

[7] Laußnitz [Kr. Kamenz]; HHSD VIII, S. 178.

[8] Zittau; HHSD VIII, S. 371ff.

[9] WASSENBERG, Florus, S. 515f.

[10] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 30f.

[11] Schweidnitz [Świdnica]; HHSSchl, S. 491ff.

[12] vermittelnden, beteiligten

[13] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 126.

[14] BADURA; KOČĺ, Der große Kampf, Nr. 1515.

[15] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[16] Halberstadt [Kr. Halberstadt]; HHSD XI, S. 169ff.

[17] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 27.

[18] Osterwieck [Kr. Wernigerode/Halberstadt]; HHSD XI, S. 359f.

[19] Luckau [Niederlausitz; Bez. Cottbus]; HHSD X, S. 268ff.

[20] Hoyerswerda, HHSD VIII, S. 152ff.

[21] Torgau [Kr. Torgau]; HHSD XI, S. 467ff.

[22] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 49.

[23] Oppeln [Opole], HHSSchl, S. 378ff.

[24] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 47.

[25] Osterwieck [Kr. Wernigerode/Halberstadt]; HHSD XI, S. 359f.

[26] Magdeburg; HHSD XI, S. 288ff.

[27] Dömitz [Kr. Ludwigslust]; HHSD XII, S. 21ff.

[28] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 56.

[29] Dresden; HHSD VIII, S. 66ff.

[30] WASSENBERG, Florus, S. 551f.

[31] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 391.

[32] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 127.

[33] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 126.

[34] Verden; HHSD II, S. 464ff.

[35] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 248.

[36] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 282.

[37] Bernburg [Kr. Bernburg]; HHSD XI, S. 37ff.

[38] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 379.

[39] Eisenach [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 88ff.

[40] Státní oblastní archív v Litomĕřicích (Dĕčín), Rodinný archiv Clam-Gallasové XI/14 (Ausfertigung): O. Chr. v. Sparr an Gallas, Würzburg, 1645 IV 17.

[41] Nordhausen [Kr. Nordhausen]; HHSÖ IX, S. 305ff.

[42] Creuzburg a. d. Werra [Kr. Eisenach]; HHSD IX, S. 70ff.

[43] PETER, Eisenach, S. 48f.

[44] Saalfeld [Kr. Saalfeld]; HHSD IX, S. 369ff.

[45] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 624.

[46] Olmütz [Olomouc]; HHSBöhm, S. 420ff.

[47] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 277.

[48] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[49] Frankenstein [Zabkowice Śląskie]; HHSSchl, S. 95ff.

[50] Jägerndorf [Krnov; Bez. Freudenthal]; HHSBöhm, S. 222ff.

[51] Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[52] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 1014.

[53] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 249; Teschen [Cieszyn, tsch. Těšín]; HHSSchl, S. 530ff.

[54] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 256; Glatz [Klodsko; Grafschaft u. Stadt]; HHSSchl, S. 116ff.

[55] ENGELBERT, Hatzfeldt, Nr. 275.

[56] Nicht identifiziert.

[57] Lischwitz [Libĕšovice; heute Ortsteil von Blšany, dt. Flöhau, Bez. Louny].

[58] Jägerndorf [Krnov; Bez. Freudenthal]; HHSBöhm, S. 222ff.

[59] Münsterberg i. Schl. [Ziebice, Kr. Frankenstein]; HHSSchl, S. 320ff.

[60] Brieg [Brzeg]; HHSSchl, S. 54ff.

[61] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 1013; Skalka [Skály, Bez. Nachod] ?

[62] Deutsch Gabel; [Německé Jablonné; seit 1650 Jablonné v Postještě]; HHSBöhm, S. 109f.

[63] Bunzlauer Kreis [Boleslavsko; Böhmen].

[64] THEATRUM EUROPAEUM Bd. 5, S. 1013f.

[65] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 811.

[66] Kleinengersdorf [Bez. Korneuburg].

[67] Krems an der Donau [Statutarstadt]; HHSÖ I, S. 363ff.

[68] Korneuburg [BH Korneuburg]; HHSÖ I, S. 359ff.

[69] Stein [Stadtteil von Krems]; HHSÖ I, S. 564ff.

[70] Glogau [Glogów]; HHSSchl, S. 127ff.

[71] Der Schwed’ ist im Land, S. 63.

[72] Homberg a. d. Efze [Kr. Fritzlar-Homberg]; HHSD IV, S. 236f.

[73] TOEGEL; KOČĺ, Der Kampf, Nr. 856.

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July 30, 2010 in Miniaturen
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